Die erste Social Conference in München [Recap]

Unser Highlight der vergangenen Woche

Neun Stockwerke über Schwabing, einem Stadtteil Münchens, fand in der vergangenen Woche die erste Social Conference statt. Mit einem atemberaubenden Ausblick im Rücken konnte man hier die Social Media Experten deutscher Agenturen und Unternehmen über neueste Trends und Erfolge im Social Media Marketing referieren sehen. Daneben war diese Veranstaltung vor allem auch eine Plattform für eines: Socializing vom Feinsten.

Hakan Han vor Publikum auf der Social Conference München

Die Teilnehmer der Social Conference werden durch den Veranstalter Hakan Han begrüßt

Zuerst der Pflicht-Teil: Tools und Theorien

Nach einer Begrüßung durch Hakan Han – dem Veranstalter und im alltäglichen Leben Social Media Berater – und einer Einführung durch die charmante Moderatorin Hannah Klose fanden insgesamt neun Speaker Podium und Publikum, um ihre aktuelle Sichtweise, Trends, Richtlinien und Best Cases zum Thema Social Media zu teilen. Alle Speaker lieferten dabei sowohl spannende Fakten und Informationen als auch interessante Denkanstöße zur Vorgehensweise auf den relevanten Social Media Kanälen.
So widerlegte Christiane Kaiser mit brandwatch beispielsweise den Mythos, das Thema Eis würde die Internetnutzer von heute nur bei sonnigem Wetter interessieren: „Tatsächlich wird am meisten über Eis gesprochen, wenn so ein Wetter herrscht, wie jetzt gerade“, sagte Kaiser mit einem Blick nach draußen. Die Blicke der Anwesenden folgten ihr und angesichts der regnerisch bewölkten Stimmung konnte man ein wenig Verwunderung und leichte Überraschung auf den Gesichtern erkennen. Genau solche Einblicke in das Nutzerverhalten sind jedoch eine ungemein wertvolle Information, um für einen Kunden beispielsweise eine zielgerichtete Marketing-Strategie mit einem dazugehörigen Mediaplan zu erstellen.

Christiane Kaiser auf der Social Conference vor Publikum

Christiane Kaiser von Brandwatch widerlegt den Mythos „More people buy ice cream when it’s sunny“

Dr. Hubertus Porschen dagegen hinterfragte sämtliche Marketing-Modelle seines VWL-Studiums: Sie seien zu komplex, nicht mehr zeitgemäß oder zu oberflächlich. Mehr Aufmerksamkeit sollte stattdessen dem See-Think-Do Modell von Google geschenkt werden. Dieses würde aufzeigen, dass ein Nutzer in der Think-Phase seiner Customer Journey von bislang zu wenig Marketinginstrumenten bedient wird. In der Think-Phase befindet sich ein Nutzer, wenn er sich für ein Produkt interessiert oder dieses sogar schon nutzt und aber gleichzeitig noch keine direkte Kaufabsicht hat. Porschen erläuterte dies an dem Beispiel Socken. Demnach wäre ein Nutzer in der Think-Phase, sobald das Produkt Socken erste kleine Mängel, wie zum Beispiel Löcher, aufweist und jedoch trotzdem noch zu gut zum Wegwerfen wäre. Diese Phase wird somit dadurch geprägt, dass der Nutzer dieses Produkt irgendwann einmal (wieder) benötigen wird – nur eben nicht zum jetzigen Zeitpunkt. Diesem Prinzip pflichten wir bei eviom bei, denn gängige Marketinginstrumente und Phasen der Customer Journey müssen von Unternehmen genau inspiziert werden, um diese sinnvoll und wirkungsvoll miteinander verzahnen zu können.

Danach die Kür: Lernen am Modell durch praxisnahe Beispiele

Das Unternehmen SIXT ist in der Social Media Welt kein Unbekannter mehr – immer wieder aufs Neue überraschen die kreativen Strategen mit viralen Kampagnen und aussagestarken Werbesprüchen. Deshalb liefert SIXT stets einen Best Practice, sobald ein Trend-Thema im Netz diskutiert wird oder ein neuer Social Channel auf die Bühne tritt. So zum Beispiel erzählte Christoph Assmann, der als Social Media Manager von SIXT bereits 2015 einen Preis für das beste Social Media Team des Jahres erhielt, eine Anekdote zum Thema Neue Kanäle: Nachdem SIXT mit dem „Testlabor für Millenials“ aka Snapchat große Erfolge erzielte, ließ sich das Unternehmen nicht davon abhalten, sich der Datingapp-Welle und der aufkommenden Wisch-Kultur anzuschließen – das Team kreierte einen Unternehmens-Account auf der App Tinder. Zu dieser Aktion gab es positive und auch negative Reaktionen der Nutzer, doch leider nicht allzu lange – der Kanal wurde nach wenigen Tagen deaktiviert, da er gegen die Nutzungsregeln der App verstieß. Doch einen Versuch war es laut Assmann definitiv wert, denn dieser Dienst bescherte dem Unternehmen nicht nur ominöse und nicht jugendfreie Anfragen, sondern eine Menge Media Coverage und natürlich eine neue Erfahrung. Solche Vorgehensweisen erfordern aber vor allem eins: den Mut, Neues auszuprobieren und den vorgegebenen Pfad zu verlassen.

Christoph Assmann vor Publikum auf der Social Conference

Christoph Assmann von SIXT berichtet über seine Learnings zum Thema Snapchat Marketing

Zum Thema Influencer Marketing lieferte Felix Hummel, selbst Influencer, interessante Insights. Sein Standpunkt war klar, Social Media Verantwortliche sollten zwischen Influencer Marketing und Influencer Relations deutlich differenzieren. Bei ersterem handelt es sich laut Hummel um eine quantitative Nutzung der Influencer, also eine Zusammenarbeit mit mehreren Influencern, um schnell eine gewisse Reichweite aufzubauen. Davon unterscheidet sich der Ansatz der Influencer Relations, welcher den Fokus auf eine qualitative Kooperation und die Generierung eines Vertrauensverhältnisses zwischen Unternehmen und Influencer legt. Es ist unerlässlich, dass man sich dieser Unterscheidung im Vorfeld bewusst ist und sie in die Zieldefinition einfließen lässt, um daraufhin eine zu den Zielen passende Strategie zu entwickeln.

Felix Hummel vor Publikum auf der Social Conference

Felix Hummel definiert den Unterschied zwischen Influencer Marketing und Influencer Relations

Die zweite Social Conference wird schon geplant

Die erste Social Conference in München wurde ideal arrangiert und war damit ein hoher Genuss für jeden Social Media Professional. In einer herzlichen und produktiven Atmosphäre war viel Raum für Anregungen und Austausch. Kontakte wurden geknüpft, neue Trends diskutiert und Erfahrungen sowie Erlebnisse geteilt: sowohl analog beim Mittagessen als auch digital mit dem Hashtag #socialconfmuc konnte man auch online diskutieren und so das Netz daran teilhaben lassen. Durch diesen erfolgreichen Auftakt beflügelt, lässt die nächste Social Conference nicht lange auf sich warten, denn bereits im Mai soll der Erfahrungsaustausch fortgesetzt werden. Ihrem Motto bleibt die Veranstaltung laut Hakan Han auf jeden Fall treu, dass eine exklusive, bewusst klein gehaltene Gruppe von Experten einen intensiveren Austausch untereinander ermöglicht. Was man sonst noch auf der zweiten Social Conference erwarten kann und was für den Veranstalter das Wichtigste in dem spannenden Bereich Social Media Marketing ist, verrät Hakan Han im anschließenden Interview, das eviom mit ihm geführt hat.

Socializing auf der Social Conference

Auf der Social Conference fand ein intensiver und produktiver Austausch statt

Interview mit dem Veranstalter Hakan Han zur ersten Social Conference in München

Social Media Berater Hakan Han

Veranstalter der Social Conference und langjähriger Social Media Berater: Hakan Han

F: Mit welchen 3 Worten würden Sie die erste Social Conference, die in der vergangenen Woche in München stattfand, beschreiben?

Hakan Han: Spannend, beeinflussend, weiterbildend!

F: Wann kam Ihnen die Idee in eigener Regie eine Social Media Konferenz in der Landeshauptstadt durchzuführen?

Hakan Han: Die Idee hatte ich schon länger im Hinterkopf, da es andere Städte wie Hamburg, Köln oder Frankfurt seit einer geraumen Zeit vormachen.

F: Haben die Planungen für die nächste Social Conference schon begonnen? Was können Social Media Enthusiasten von der zweiten Konferenz erwarten?

Hakan Han: Ja, wir planen bereits die nächste Social Conference, die voraussichtlich im Mai nächsten Jahres stattfinden soll. Wir möchten die Intention beibehalten, dass durch einen kleineren Zuhörerkreis ein intensiverer Austausch stattfinden kann.

F: Warum war es Ihnen wichtig Social Media Protagonisten aus Unternehmen und Agenturen auf einer Bühne zusammen zu führen?

Hakan Han: Wie bereits im dritten Punkt angesprochen, war für uns der intensive Austausch ein entscheidender Treiber. Der Kenntnisstand im Social Media Marketing variiert von Unternehmen zu Unternehmen, selbst innerhalb der gleichen Branche und unabhängig von ihrer Größe. Es ist daher eine große Herausforderung alle Teilnehmer gleichmäßig abzuholen. Die Unternehmen und Agenturen haben auf unserer Konferenz somit die Gelegenheit, sich intensiv über ihre Erfahrungswerte auszutauschen. Ich denke, dass man aufgrund der überschaubaren Teilnehmerzahl schneller ins Gespräch kommt.

F: Wie sind Sie bei der Themen- und Speaker-Auswahl vorgegangen?

Hakan Han: Wir haben uns bewusst auf die aktuellsten Social Media Themen gestützt, um ein spannendes und vor allem branchenübergreifendes Programm anbieten zu können. Wir denken, es ist uns gelungen. 🙂

F: Welche Themen und Kanäle begeistern Sie am meisten im Social Media Marketing?

Hakan Han: Diese Frage möchte ich an dieser Stelle offen lassen, da mich sehr viele Bereiche im Social Media Marketing interessieren und ich aufgrund meiner beratenden Tätigkeit zu diversen Social Media Themen Berührungspunkte habe.

F: Welche Fragen sollten sich Unternehmen beim Thema Social Media Marketing stellen?

Hakan Han: Die erste Frage, die sich jedes Unternehmen stellen sollte, lautet: „Was will ich mit meinem Auftritt bewirken?“. Außerdem sollte die Zielsetzung innerhalb der Social Media Strategie klar definiert werden.

F: Welche Vorteile öffnen sich Unternehmen mit Social Media Marketing?

Hakan Han: Ich glaube, diese Frage ist nicht mehr zeitgemäß. Außerdem hängt die Frage sehr stark vom jeweiligen Unternehmen selbst und dessen Zielen ab. D.h. möchte ich meine Kunden betreuen, meine Marke stärken (Markenbindung), neues Personal rekrutieren, meinen Absatz steigern oder ein ganz anderes Ziel verfolgen?

F: Was heißt für Sie eine erfolgreiche Social Media Kampagne?

Hakan Han: Die Kampagne ist erfolgreich, wenn ich einerseits analog zur Frage oben meine Ziele erreiche und andererseits Learnings für die Zukunft ziehen kann.

F: Was sind Ihrer Meinung nach die gängigsten Fehler im Influencer Marketing?

Hakan Han: Influencern nicht die Möglichkeit zu geben, sich in ihrer Persönlichkeit zu entfalten oder sie zu kurz zu binden, z.B. nur für einen Post. Zu viele Kooperationen mit verschiedenen Influencern ist bekannterweise nicht nachhaltig. Wie zuvor schon erwähnt sollte auch hier eine sinnvolle Strategie definiert werden.

F: Was sind für Sie die Top 3 Trends im Social Media Marketing?

Hakan Han: Influencer Marketing, Neue Kanäle (wie z.B. Snapchat) und neue Contentformate (wie z.B. 360 Grad Videos).

Fazit: Das war ein gelungener Auftakt in München! Wir bedanken uns bei dem Veranstalter für das Interview und sind schon sehr gespannt, was er nächstes Jahr für uns bereit hält. Wir freuen uns auf ein weiteres spannendes Event zum komplexen Thema Social Media Marketing.

Katja Schweiger

Katja Schweiger

Katja Schweiger studierte Germanistik und Kommunikationswissenschaft (B.A.) an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Nach langjähriger freier Mitarbeit in der Marketingabteilung der Firma Hamberger Flooring und bei der Münchener Marketingagentur Expert Communication arbeitet sie nun bei eviom als Digital Marketing Manager. Dort ist sie Teil des Teams im Social Media- und Contentmarketing.

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